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Stadt Winterberg setzt bei Haushalt 2026 klare Prioritäten für die Zukunft

Winterberg.

Bürgermeister Michael Beckmann und Kämmerer Bastian Östreich haben am Donnerstag den Haushaltsentwurf 2026 in den Rat der Stadt Winterberg eingebracht. Trotz eines planerischen Defizits von rund 4,5 Millionen Euro setzt die Stadt bewusste Schwerpunkte in den Bereichen Bildung, Sicherheit, medizinische Versorgung, Infrastrukturerhalt sowie Modernisierung von Verwaltung und Betrieben. Der Entwurf spiegelt die angespannte Finanzlage wider, in der sich derzeit nahezu alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen befinden. Elf von zwölf Kommunen im Hochsauerlandkreis können ihre Haushalte für 2026 nicht mehr ausgleichen.

„Die Finanzlage der Städte und Gemeinden ist flächendeckend katastrophal. Haushaltsdefizite sind das neue Normal", zitierte Beckmann in seiner Haushaltsrede eine gemeinsame Pressemeldung von Städtetag und Städte- und Gemeindebund NRW. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen setzt der Bürgermeister auf klare Prioritäten und betont: „Haushaltspolitik bedeutet für mich nicht Stillstand, sondern kluge Steuerung."

Erfolgreiche Vergangenheit schafft Handlungsspielraum

Trotz Corona-Pandemie, Energie- und Flüchtlingskrise sowie außergewöhnlich hoher Inflation ist es der Stadt Winterberg seit 2020 gelungen, Rücklagen in Höhe von fast zehn Millionen Euro aufzubauen und Schulden in Höhe von fast acht Millionen Euro abzubauen. Die zum 1. Januar 2025 vorhandene Ausgleichsrücklage von 9,375 Millionen Euro ermöglicht es nun, den geplanten Jahresfehlbetrag von 4.563.412 Euro im Jahr 2026 auszugleichen und damit einen sogenannten fiktiven Haushaltsausgleich zu erzielen.

„Diese Rücklagen sind unser Sparstrumpf. Allerdings ist ein Sparstrumpf", mahnte Beckmann jedoch. Aufgrund der sich deutlich verschlechternden Finanzlage und planerischer Defizite in der mittelfristigen Finanzplanung der Jahre 2027 bis 2029 im Umfang von insgesamt rund 9,8 Millionen Euro werde ab dem Jahr 2027 eine Verringerung der Allgemeinen Rücklage erfolgen. „Ab 2027 geht es an die Substanz", stellte der Bürgermeister klar.

Das angepasste Haushaltsrecht, das neben einem erhöhten globalen Minderaufwand, also eine pauschale Kürzung der Ausgaben von zwei Prozent auch Verlustvorträge in zukünftige Jahre ermöglicht, verschaffe den Kommunen lediglich Zeit. „Beide Instrumente bringen kein zusätzliches Geld, was jedoch so dringend benötigt wird. Wenn sich an der Finanzausstattung der Kommunen in den kommenden Jahren grundlegend nichts ändert, werden die kommunalen Haushalte sprichwörtlich mit Wucht an die Wand gefahren", warnten Beckmann und Kämmerer Östreich eindringlich.

Fünf klare Schwerpunkte trotz Sparzwang

Der Haushaltsentwurf 2026 setzt trotz aller finanziellen Zwänge bewusste Prioritäten in fünf zentralen Bereichen: Bildung, Sicherheit, medizinische Versorgung, Erhalt der Infrastruktur sowie die weitere Modernisierung von Verwaltung und der kommunale Betriebe.

Im Bildungsbereich verfolgt die Stadt einen klar strukturierten Sanierungs- und Investitionsplan für die Schulen. „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen", zitierte Beckmann Benjamin Franklin und unterstrich damit die Bedeutung guter Schulen als Standortfaktor für Familien und Unternehmen.

Beim Thema Sicherheit steht die Freiwillige Feuerwehr im Fokus. Investitionen in funktionale Gebäude und gute Ausstattung seien nicht verhandelbar. Neu im Haushalt vorgesehen ist zudem die Einführung einer First Responder-Einheit, deren Einsatzkräfte bei medizinischen Notfällen als Erste vor Ort sind und lebensrettende Sofortmaßnahmen leisten.

Medizinische Versorgung und Infrastruktur im Blick

Das Ansiedlungsprogramm für Hausärztinnen, Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte wird fortgesetzt. „Wir können keine Ärzte verpflichten, sich in Winterberg niederzulassen. Aber wir können Rahmenbedingungen setzen, die eine Entscheidung für unsere Stadt erleichtern", erklärte Beckmann. Dazu gehöre die Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit, Unterstützung bei der Raum- und Betreuungssuche sowie finanzielle Anreize.

Beim Infrastrukturerhalt wird die Stadt ebenfalls nicht nachlassen, obwohl Beckmann einräumte, dass in den vergangenen Jahren eine spürbare Sanierungsdividende eingefahren wurde. „Dächer werden nicht besser, Schäden nicht kleiner und Kosten werden in der Zukunft nicht geringer", stellte er fest. Allein durch das zeitliche Verschieben von für 2026 und 2027 vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen könnte das Defizit kurzfristig um 1 Million Euro in 2026 und um rund 3,7 Millionen Euro in 2027 gesenkt werden. „Aber wollen wir diese Stellschraube auch ziehen?", fragte der Bürgermeister rhetorisch.

Wirtschaft und Ehrenamt als tragende Säulen

Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt hänge wesentlich von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Unternehmen ab, betonte Beckmann. Deshalb dürfe Haushaltskonsolidierung nicht bedeuten, die wirtschaftliche Entwicklung auszubremsen. Der Bürgermeister wandte sich erneut an Ministerpräsident Hendrik Wüst, um einen Widerspruch zu klären: Während in erheblichem Umfang Flächen für Windenergie ausgewiesen würden, sei die Entwicklung von gerade einmal vier zusätzlichen Hektar Gewerbefläche aufgrund naturschutzrechtlicher Anforderungen faktisch ausgeschlossen.

Beim Ehrenamt will die Stadt trotz aller Sparzwänge nicht nachlassen. „Jeder Euro, den wir in das Ehrenamt investieren, kommt vielfach zurück – in Zusammenhalt, in Verantwortung und in das Miteinander unserer Stadt", so Beckmann.

Zukunftssicherungskommission und dialogorientierter Ansatz

Erstmals hat die Stadt die Haushaltsaufstellung dialogorientierter angegangen. Mit einem Werkstattgespräch Mitte Januar wurde der Startschuss für die Haushaltsberatungen gegeben – als Raum für Austausch, Einordnung und gemeinsames Verständnis.

Für die Haushalte ab 2027 schlug Beckmann die Einrichtung einer Zukunftssicherungskommission vor, die kurzfristig ihre Arbeit aufnehmen soll. „Es geht dabei um strukturelle Antworten: um Aufgaben, Standards, Prozesse und um die Frage, was Kommune künftig leisten kann und soll", erläuterte der Bürgermeister.

Zum Abschluss seiner Rede verwies Beckmann darauf, dass sich der Erfolg oder Misserfolg des gemeinsamen Handelns nicht allein an großen Projekten entscheide. „Entscheidend für unsere Bürgerinnen und Bürger ist der Umgang mit den sogenannten Kleinigkeiten: dem klappernden Schachtdeckel, dem Schlagloch, dem abgesenkten Bordstein oder einer Verwaltung, die funktioniert. Demokratie in unserem Staat entscheidet sich so auch an einem Schachtdeckel in Altenfeld", so Beckmann.

In den kommenden Wochen beraten die Fraktionen im Rat nun über den Haushaltsentwurf.