Winterberg/Hallenberg.
Seit Wochen laufen die Bauarbeiten an einem weitreichenden Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) — und die Maßnahme macht sich im Stadtbild bemerkbar. Der Hochsauerlandkreis hat per Allgemeinverfügung angeordnet, die gesamte Sperrzone II einzuzäunen. Gemeinsam mit dem bereits bestehenden Zaun um das Kerngebiet entsteht so eine doppelte Barriere, die Wildschweinen keine Chance lassen soll, das Virus in bisher seuchenfreie Gebiete zu tragen. Betroffen sind Teile der Städte Winterberg und Hallenberg sowie der Gemeinde Eslohe und der Stadt Schmallenberg. Der Zaunbau wird von einem durch die Wildtierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft (WSVG) beauftragten Unternehmen umgesetzt. Die WSVG handelt dabei im Auftrag des Veterinäramtes des Hochsauerlandkreises. Nach Angaben des Veterinäramtes sollen die Kosten vollständig vom Land erstattet werden.
Wie der Zaun verläuft
Ein erster Bauabschnitt führt vom Helleplatz über den Astenweg bis zum Radwegtunnel in der Haumecke, wo der Zaun auf den Radweg wechselt und von dort nahezu bis nach Hallenberg verläuft. Die Arbeiten in diesem Abschnitt sind fast abgeschlossen. Der zweite Abschnitt soll vom Helleplatz über den Kahlen Asten Richtung Altastenberg verlaufen — der genaue Trassenverlauf wird noch geprüft. In Hallenberg führt der Zaun vom Radweg aus Züschen kommend an Heidekopf und Kreutzberg vorbei zum Anschluss an die hessische Zaunführung am Grenzweg zu Bromskirchen.
An allen Wegen, Waldwegen und Feldwegen innerhalb des Zaunes werden Tore eingebaut, damit die Zugänglichkeit des Waldes für die Bevölkerung erhalten bleibt. Die Duldungspflicht für Grundstückseigentümer ist gesetzlich geregelt und ergibt sich aus der tierseuchenrechtlichen Allgemeinverfügung Nr. 08/2026 des Hochsauerlandkreises vom 16. April 2026.
Was der Zaun leisten soll — und was er bedeutet
Die Einzäunung verfolgt zwei Ziele: Sie soll verhindern, dass infizierte Wildschweine aus dem Kerngebiet in weiter außen liegende Bereiche der Sperrzone II abwandern, und sie soll eine intensivere Bejagung innerhalb des eingezäunten Bereichs ermöglichen. Eine gezielte Reduzierung der Wildschweinpopulation ist wirksam nur möglich, wenn Tiere durch Jagddruck nicht unkontrolliert in umliegende Gebiete ausweichen. Der Zaun soll genau das verhindern.
Die Maßnahme dient dabei insbesondere dem Schutz der Schweinemastbetriebe in der Region. Wildschweine gelten als zentrales Reservoir des ASP-Virus. Infizierte Tiere können das Virus über weite Strecken verbreiten – auch ohne direkten Kontakt zu Hausschweinen. Zudem bleiben Kadaver über einen langen Zeitraum infektiös und stellen weiterhin eine erhebliche Gefahr dar. Das Virus selbst ist äußerst widerstandsfähig und kann unter anderem über Kleidung, Fahrzeuge, Jagdausrüstung, Futtermittel oder kontaminierte Lebensmittel verschleppt werden.
Viele Hausschweinbestände verfügen bereits über strenge Biosicherheitsmaßnahmen. Dazu zählen Stallpflichten, Hygieneschleusen, Transportauflagen und regelmäßige Kontrollen. Eine vollständige und langfristige Abschottung sämtlicher Schweinebetriebe wäre dennoch mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für Landwirtschaft, Schlachtung, Futtermittelwirtschaft und Handel verbunden, ohne gleichzeitig den eigentlichen Ausbreitungsfaktor – die Wildschweinpopulation – wirksam zu kontrollieren.
Dass die Maßnahme notwendig ist, zeigt das Infektionsgeschehen: Zwischen Februar und März 2026 wurden bei fünf Wildschweinen im Stadtgebiet Schmallenberg das ASP-Virus nachgewiesen. Die Sperrzone II wurde daraufhin erneut erweitert. Für die Afrikanische Schweinepest gibt es bislang keine Impfung — die räumliche Eindämmung durch Zäunung und Bejagung bleibt damit das zentrale Mittel der Seuchenbekämpfung.
Offen ist, wie lange der Zaun stehen bleibt. Fachleute rechnen mit mindestens vier Jahren — möglicherweise deutlich länger, abhängig davon, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Das ist eine Zeitspanne, die Waldbesitzer, Landwirte und Erholungssuchende in der Region spürbar belastet.
Verhaltensregeln für Waldbesucher in der Sperrzone II
Die Wege in der Sperrzone II bleiben weiterhin geöffnet und dürfen genutzt werden. Wichtig ist allerdings, dass sich alle Besucherinnen und Besucher an einige einfache Regeln halten:
・Tore und Durchgänge dürfen geöffnet werden — bitte danach unbedingt wieder schließen
・Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben — in den betroffenen Bereichen gilt ein Wegegebot
・Hunde bitte an die Leine nehmen
・Keine Essensreste oder Abfälle im Wald zurücklassen
Mit diesen einfachen Maßnahmen kann jeder dabei helfen, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen und Wildschweine möglichst wenig zu beunruhigen.
Was Winterbergs Bürgermeister Beckmann sagt
„Der Zaun ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein sichtbarer Einschnitt in unsere Landschaft und in das gewohnte Erleben unserer Heimat. Viele Menschen fragen sich daher zu Recht, wie lange diese Situation andauern wird und welche Folgen sie für Wald, Tourismus, Landwirtschaft und das Leben vor Ort hat. Diese Sorgen nehmen wir sehr ernst. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aus anderen betroffenen Regionen, dass die Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest derzeit nur gelingt, wenn die Wanderbewegungen infizierter Wildschweine konsequent begrenzt werden. Klar ist aber auch: Ein solcher Zaun darf kein Dauerzustand werden. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Seuche so schnell wie möglich einzudämmen, damit diese massiven Eingriffe in Natur und Alltag wieder zurückgebaut werden können.“ so Bürgermeister Michael Beckmann.
Was Hallenbergs Bürgermeister Eppner sagt
„Die Sperrzone II betrifft uns direkt in vielerlei Hinsicht, und der Zaun ist ein sichtbares Zeichen dafür. Für unsere Bürgerinnen und Bürger ist klar: Der Wald bleibt zugänglich, an allen Zugängen werden Tore gebaut. Was mich umtreibt, ist die Ungewissheit über die Dauer — vier Jahre und mehr sind für Betroffene kein kleines Zeitfenster und der Zaun stellt für unseren gestressten Forst eine erneute Herausforderung dar“, sagt Enrico Eppner, Bürgermeister der Stadt Hallenberg.
Beide Bürgermeister betonen, dass die Unterstützung der Jägerinnen und Jäger sowie der Sammelstellen bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ein zentraler Faktor für die Eindämmung des Infektionsgeschehens ist. Für ihren engagierten Einsatz sprechen sie allen Beteiligten ihren ausdrücklichen Dank aus.
Aktuelle Informationen zur Sperrzone II und zur interaktiven Karte veröffentlicht der Hochsauerlandkreis unter: www.hochsauerlandkreis.de
