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Der Arzt im Ruhestand meint

Bei stetig wachsender Zahl der Arzneimittel werden deren Interaktionen immer komplexer und immer weniger durchschaubar. Nicht nur untereinander, sondern auch mit Produkten aus der Drogerie, Gärtnerei oder Supermarkt gibt es Unverträglichkeiten. Wer da keine unliebsamen Überraschungen erleben will, sollte Milchprodukte und Schilddrüsenhormone deutlich zeitversetzt einnehmen, Koffein bei bestimmten Antibiotika meiden, auf Grapefruit bei Behandlung mit Statinen (gegen Cholesterin) oder Calciumantagonisten (gegen Bluthochdruck), deren Namen meist mit „dipin“ endet, verzichten. 
Und überhaupt mal wieder den Beipackzettel entfalten und bei gutem Licht auf neue Erkenntnisse überprüfen, auch wenn man das Medikament schon lange kennt. Es ist schon schlau, von seiner Apotheke eine Liste nicht nur seiner ärztlich verordneten Medikamente, sondern auch sämtlicher freiverkäuflicher Pillen, Tropfen und auch Salben führen und auf mögliche Kollisionen prüfen zu lassen. Der verantwortungsbewusste Arzt wird das nicht als Misstrauen einschätzen und kann gegebenenfalls einen freundlichen Hinweis vom Apotheker schon aushalten, denn falsche Eitelkeit gehört normalerweise nicht zu seiner Stellenbeschreibung. Er wird froh sein über mündige Patienten und abgenommene Arbeit. 
Schließlich ist der Arzt für den Patienten da und nicht der Patient für den Arzt, hat der Arzt im Ruhestand mal gelernt. Das gilt selbstverständlich alles auch für Patientinnen, Ärztinnen und Apothekerinnen.